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Als der Landkreis Waldshut im April 1999 für den
Neubau seiner Justus-von-Liebig-Schule einen Architektenwettbewerb
europaweit ausschrieb, ahnten die Mitglieder des Kreistages
noch nicht, dass daraus ein bis heute in der Bundesrepublik
Deutschland einzigartiges Projekt erwachsen würde.
Von Passivhaus-Technologie hatte man zwar schon einmal
etwas gehört, sich damit aber noch nie näher
befasst. Warum auch? Das Thema war so weit weg - und für
eine Schule, zumindest zu jenem Zeitpunkt, nicht diskussionsreif.
Die Wettbewerbsaufgabe des Architektenwettbewerbs enthielt
deshalb nur den lapidaren Nebenabsatz: „Die Betriebskosten
sollen möglichst gering gehalten werden. Grundrissorganisation
und Optimierung des Energieeinsatzes sollen dazu beitragen.
Eine übermäßige Aufheizung des Gebäudes
im Sommer soll vermieden werden. Der Einsatz alternativer
Energiequellen ist grundsätzlich erwünscht.“
Innovative, energetische und qualitative Vorteile bedingen i.A. Investitionsmehrkosten. Deshalb ist
es nicht selbstverständlich, dass Entscheidungen diesbezüglich sofort fallen. „Vorzeigeprojekte“
werden nur dann realisiert, wenn Menschen aus verschiedenen Disziplinen mit dem Mut und dem
Willen etwas neues zu wagen, zusammentreffen.
Der erste Schritt war die Entscheidung des Preisgerichts für ein Architekturbüro, das zu unkonventionellen
Wegen nicht überredet werden muss. Mit dem Haustechnikbüro kam ein junges Planungsteam
zum Projekt, das den Gedanken der Passivhaustechnologie in Zusammenhang mit dem Neubau
der Schule als erste formulierten.
Es folgte eine Vorbesichtung eines vergleichbaren Projekts in Vorarlberg (Energiesparschule Mäder).
Zu dieser beeindruckenden Besichtung wurde danach die politischen Entscheidungsträger eingeladen.
Nach weiteren Informationen zur Technik und zum innovativen Charakter des Projekts konnten
der Kreistag mit Mehrkosten von 900.000 € dem Bau der ersten Passivhausschule zustimmen. Die
Photovoltaikanlagen waren in diesem ersten Beschluss nicht enthalten und wurden später zusätzlich
vom Kreistag beschlossen.
Den ersten Preis des Architektenwettbewerb errang das
Architekturbüro Harter und Kanzler aus Waldkirch.
Die Arbeit dieses Architekturbüros zeigte zwar eine
optimale Grundrissorganisation, jedoch war über das
Energiekonzept noch keine Aussage getroffen worden. Dieses
Konzept wurde erst in der Folge, zusammen mit dem Haustechnikplanungsbüro
Krebser und Freyler, Teningen und dem Büro für
Sonnenenergie, Freiburg erarbeitet. In seiner Sitzung am
23.05.2000 befasste sich der Kreistag mit dem Gebäude-
und Energiekonzept und beschloss einstimmig dessen Umsetzung.
Der Grundstein für die erste Passivhaus-Schule in
der Bundesrepublik Deutschland war gelegt.
Gebäudetechnologie und Gebäudenutzung sind von einander abhängig. Es ist nicht selbstverständlich,
dass die bei Wohngebäuden bewährte Passivhaustechnologie sich auch für Schulen
eignet. Der deutliche Unterschied in der Zahl der Nutzungsstunden ist auffällig, allerdings auch die in
den Nutzungsstunden am Luftwechsel erkennbare intensivere Nutzung.

Aus ökologisch/energetischer Sicht ist die Lüftungsanlage mit der Möglichkeit der Lüftungswärmerückgewinnung
für Schulgebäude zwingender als für anders genutzte Gebäude. Aus wirtschaftlicher
Sicht ist die Investition in eine große Lüftungsanlage mit geringen jährlichen Betriebsstunden
ein gewisser Nachteil, weil die Amortisationszeit hoch ist.
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